27. März 2017

Informationen für Ärzte

Amerikanische Chiropraktik ist keine Form der manuellen Therapie und auch keine Chirotherapie. Es wird nicht eingerenkt!

Der Grundgedanke ist nicht die Mobilisation von Gelenken, sondern die »Entstörung« des Nervensystems und eine Verbesserung der Selbstregulation hin zur Homöostase.

Als theoretische Grundlage dient die Idee der Subluxation, oder besser: des Vertebral Subluxation Complexes (VSC). Diese beschreibt eine multifaktorielle Strukturveränderung vor allem im Bereich der Wirbelsäule, bestehend aus Änderung der Muskelspannung/-aktivität, Affektion des Nervensystems, Veränderung der Gewebsversorgung und Bindegewebsbeteiligung. Diese Veränderung führt u.a. zu Fehlwahrnehmungen der Propriozeption und inadäquater nervöser Reaktionen darauf. Ebenfalls wird angenommen, dass die Affektion der beteiligten Spinalnerven negative Auswirkungen auf die jeweiligen Sklerotome, Myotome und Dermatome hat (vgl. Wancura-Kampik, I.: Segment-Anatomie. Der Schlüssel zu Akupunktur, Neuraltherapie und Manualtherapie. Urban & Fischer Verlag, 3. Auflage 2017).

Es gibt diverse Literatur zu diesem Thema, hilfreich als Einführung sind zum Beispiel: Leach, R.: The Chiropractic Theories. A Textbook of Scientific Research. Lippincott Williams and Wilkins, 4th edition 2003 und Gatterman,M.: Foundations of Chiropractic. Subluxation. Mosby St. Louis, 1st edition 1995 (beide engl.).

Gerade um differentialdiagnostisch lege artis tätig zu sein und Kontraindikationen ausschliessen zu können, benötigen Chiropraktiker Bildgebungsverfahren wie Röntgen oder MRT und arbeiten mit orthopädisch-neurologischen Tests. Es gibt eine breite Forschungsbasis (bspw. hier: http://www.palmer.edu/uploadedfiles/pages/research/goertz-12-research-studies-every-dc-should-know.pdf [engl.]), viele Fachzeitschriften und vor allem im englischsprachigen Ausland den akademischen Grad Doctor of Chiropractic.

Dessen Ausbildung ist mit der von Medizinern und Heilpraktikern vergleichbar, wird in Deutschland aber in der Regel nicht anerkannt. Die deutschen Ausbildungen in chiropraktischen Techniken und Konzepten stehen Heilpraktikern und Ärzten gleichermaßen offen. Der Zutritt zu den beiden Fachverbänden BDC & DAGC ist u.a. an Aus- und Fortbildung gekoppelt.