Osteopathie und Yoga

Die Wiederentdeckung eines großartigen Artikels aus der Zeitschrift Osteopathische Medizin (01/2009).

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Thorsten Liem ist ein umtriebiger Osteopath, Dozent und Autor, dessen Werke ich eigentlich nur dann und wann streifte. Nun fiel mir letztens eine Ausgabe der Osteopathischen Medizin in die Hände, deren Artikel über Osteopathie und Yoga unbedingt gelesen werden wollte.

Ich selber praktiziere verschiedene Yogastile seit über einem Jahrzehnt. Wer bei mir in der Praxis zu Gast war, hat mit größter Wahrscheinlichkeit die Empfehlung bekommen, asap ebenfalls mit Yoga zu beginnen;) Mit vielen Menschen habe ich auch die Diskussion geführt, warum Osteopathie in meinem Praxisalltag eigentlich keine Rolle mehr spielt – genannt seien die Physiotherapeutisierung, der der gezielten Justierung entgegengesetzte Ansatz des bonesetting (mit Knochenbrecherei äußerlich zwar unelegant, aber inhaltlich gut übersetzt) und die Rolle des Therapeuten.

Eigentlich war es anders geplant und die biodynamische Osteopathie sollte zu einer weiteren Säule der Praxis werden, die erfahrenen Realitäten haben das aber zumindest vorerst nach hinten gestellt. Wenn ich definieren sollte, wo der große Unterschied zwischen Chiropraktik und Osteopathie ist: Chiropraktik möchte nicht Arzt spielen. Dennoch lässt mich das Thema nicht los. In besagtem Artikel ist Gold vergraben und wer sich für mindestens eines der Themen interessiert, der/die/das sollte einmal einen Blick risikieren.

Hier ein paar Auszüge:

„Ein Wirbel ist ‚blockiert‘, d.h. in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, mit Verspannungen und/oder Fibroisierungen an Bändern und kleinen, tief liegenden Bändern und Muskeln. Dies kann z.B. durch ein körperliches (oder auch seelisches) Trauma oder eine Organstörung hervorgerufen worden sein, ein Ereignis, das nicht selten schon Jahre zurückliegen kann.“

„Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Gefühls-, Gedanken- und Glaubensmuster sozusagen im Organismus verkörperlichen.“

„Eine weitere damit zusammenhängende Gefahr besteht darin, dass die osteopathische Behandlung es dem Patienten unter Umständen erschwert, eigene Verantwortung für sein körperlich-psychisches Befinden zu übernehmen. So passiert es nicht selten, dass der Patient seinen Körper einem Osteopathen einfach zur Behandlung übergibt, ähnlich wie ein Auto, das man in der Werkstatt reparieren lässt. „

Quelle: Liem, Thorsten: Osteopathie und (Hatha-)Yoga, Osteopathische Medizin 1/2009, 21–27, ISSN 1615–9071